Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht ist ein Sonderstrafrecht für junge Beschuldigte und stellt an den Strafverteidiger besondere Anforderungen. Unsere Rechtsanwälte sind in Hamburg und bundesweit auch als Jugendstrafverteidiger tätig.

Besonderheiten im Jugendstrafrecht

Das Jugendstrafrecht geht davon aus, dass es Jugendlichen und Heranwachsenden an dem für die strafrechtliche Verantwortlichkeit erforderlichen Unterscheidungsvermögen zwischen Recht und Unrecht (Unrechtsbewusstsein) fehlt und es sich häufig eher um harmlose, vorübergehende Entgleisungen handelt (Episodenhaftigkeit). Deshalb stehen im Jugendstrafrecht generell spezialpräventive sowie erzieherische Gesichtspunkte im Vordergrund, worauf der Jugendstrafverteidiger in besonderem Maße aufbauen muss.

Durch eine vorausschauende und geschickte Verteidigungsstrategie wird es dem Strafverteidiger im Jugendstrafrecht gelingen, die Erwägungen hinsichtlich einer Bestrafung für seinen Mandanten zunutze zu machen. Insbesondere ist hier an das Absehen von der Verfolgung gemäß § 45 JGG zu denken.

Jugendstrafrecht, Jugendstrafverteidiger, Jugendstrafe, Jugendrichter, Jugendliche, Heranwachsende, Straftat, Strafverteidiger, Hamburg, Rechtsanwalt, Strafrecht, Pflichtverteidiger, Jugendstrafrecht Hamburg

Sanktionsmöglichkeiten im Jugendstrafrecht

Wird das Ermittlungsverfahren nicht eingestellt und wird nicht von der Verfolgung abgesehen, kommen Erziehungsmaßregeln in Betracht. Nur wenn diese nicht ausreichend sind, werden Straftaten von Jugendlichen und Heranwachsenden mit sog. Zuchtmitteln oder mit Jugendstrafe geahndet

Erziehungsmaßregeln sind die Erteilung von Weisungen oder die Anordnung, Hilfen zur Erziehung in Anspruch zu nehmen. Unter Weisungen versteht man Gebote und Verbote, welche die Lebensführung des Jugendlichen regeln und dadurch die Erziehung fördern und sichern sollen. Den „klassischen“ Fall einer Weisung stellt die Auflage dar, Arbeitsleistungen zu erbringen. Es kann aber auch angeordnet werden, für eine bestimmte Zeit in einem Heim oder einer betreuten Jugend-WG zu wohnen.

Reichen solche Erziehungsmaßregeln nicht aus, kommen auch Zuchtmittel in Betracht. Damit gemeint sind etwa eine Verwarnung, die Erteilung von Auflagen (Arbeitsleitung oder Schadenswiedergutmachung) sowie der Jugendarrest (Freizeit-, Kurz- oder Dauerarrest von einer bis zu vier Wochen).

Die Jugendstrafe ist die schärfste Sanktion für schwere Straftaten und bedeutet den Freiheitsentzug in einer Jugendstrafanstalt. Das Gericht verhängt die Jugendstrafe nur, sofern die Straftat schädliche Neigungen des Jugendlichen erkennen lässt und darüber hinaus feststellt wird, dass alle schwächeren Sanktionsmöglichkeiten nicht ausreichen. Das Mindestmaß der Jugendstrafe beträgt sechs Monate, das Höchstmaß fünf Jahre. Dieses erhöht sich auf zehn Jahre, wenn nach dem allgemeinen Strafrecht eine Höchststrafe von mehr als zehn Jahren Freiheitsstrafe angedroht ist.

Bei einer Jugendstrafe bis zu einem Jahr kann eine Strafaussetzung zur Bewährung in Betracht kommen. Die Bewährungszeit liegt zwischen zwei und drei Jahren. Für deren Dauer erteilt das Gericht Weisungen und Auflagen und unterstellt den Jugendlichen der Aufsicht eines Bewährungshelfers.

Jugendliche und Heranwachsende

Kinder und Jugendliche unter 14 Jahre sind strafunmündig (§ 19 StGB), eine Strafverfolgung gegen sie ist unzulässig. Für Jugendliche, die zur Tatzeit (!) zwischen 14 bis 17 Jahre alt waren, ist ausschließlich Jugendstrafrecht anwendbar (§ 1 Abs. 2 JGG).

Auf Heranwachsende zwischen 18 und 20 Jahren sind nur die zentralen Normen des Jugendstrafrechts nach Maßgabe der §§ 105 ff. JGG anzuwenden. Es wird geprüft, ob der Heranwachsende von seinem Reifezustand zur Tatzeit im Hinblick auf die konkrete Tat noch einem Jugendlichen gleichzustellen war oder ob er eine „jugendtypische“ Tat begangen hat. Für eine Beurteilung wird die Marburger Richtlinie heranzogen:

Es wird „ein Heranwachsender einem Jugendlichen in seiner sittlichen sowie geistigen Entwicklung dann gleichzustellen sein, wenn die Persönlichkeit insbesondere folgende Züge vermissen“ lässt:

  • eine gewisse Lebensplanung,
  • Fähigkeit zu selbstständigem Urteilen und Entscheiden,
  • Fähigkeit zu zeitlich überschauendem Denken,
  • Fähigkeit, Gefühlsurteile rational zu unterbauen,
  • ernsthafte Einstellung zur Arbeit,
  • gewisse Eigenständigkeit zu anderen Menschen usw.

Besonders jugendtypische Charakterzüge können u.a. sein:

  • ungenügende Ausformung der Persönlichkeit,
  • Hilflosigkeit (die sich nicht selten hinter Trotz und Arroganz versteckt),
  • naiv-vertrauensseliges Verhalten,
  • Leben dem Augenblick,
  • starke Anlehungsbedürftigkeit,
  • spielerische Einstellung zur Arbeit,
  • Neigung zum Tagträumen,
  • Hang zu abenteuerlichem Handeln,
  • Hineinleben in selbstwerterhöhende Rollen,
  • mangelhafter Anschluss an Altersgenossen (usw.)

Besonderheiten der Hauptverhandlung gegen Jugendliche

Die Hauptverhandlung stellt für die angeklagten Jugendlichen und Heranwachsenden eine große psychische Belastung dar. Aus diesem Grund finden Hauptverhandlungen gegen Jugendliche stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt (§ 48 Abs. 1 JGG). Verfahren gegen Heranwachsende sind zwar grundsätzlich öffentlich (§ 109 Abs. 1 JGG, § 169 GVG); ebenso, wenn neben Jugendlichen auch Erwachsende mitangeklagt sind. Die Öffentlichkeit kann jedoch ausgeschlossen werden, wenn dies im Interesse des Angeklagten geboten ist (§ 109 Abs. 1 S. 4 JGG).

Jugendliche und Heranwachsende benötigen eine intensive Beratung und Betreuung im Strafverfahren, welche nur von einem Rechtsanwalt und Strafverteidiger sichergestellt werden kann, der im Umgang mit Jugendlichen besonders erfahren. Dies gilt vor allem, wenn Jugendliche oder Heranwachsende in Untersuchungshaft sitzen und ihr einziger Kontakt der Strafverteidiger ist. Sie können sich darauf verlassen, dass ich die Aufgabe vertrauensvoll und mit aller gebotenen Sorgfalt wahrnehmen werde.

Eintragung in das Erziehungsregister

Strafen nach Jugendstrafrecht werden in das Erziehungsregister als Teil des Bundeszentralregisters eingetragen. Sämtliche Eintragungen werden mit der Vollendung des 24. Lebensjahrs entfernt, wenn keine Freiheits-, Jugendstrafe oder ein Strafarrest in das Zentralregister eingetragen ist (§ 63 BZRG). Eintragungen des Erziehungsregisters sind nur für Gerichte, Staatsanwaltschaften und sonstige mit dem Strafverfahren betraute Behörden einsehbar. Ein späterer Arbeitgeber erhält regelmäßig keinen Einblick.

Pflichtverteidiger im Jugendstrafrecht

In geeigneten Fällen werden unsere erfahrenen Rechtsanwälte die Strafverteidigung im Jugendstrafrecht auch als Pflichtverteidiger wahrnehmen. Die Kosten für die Pflichtverteidigung übernimmt dann regelmäßig insgesamt die Staatskasse.

Persönliche Beratung und Klärung Ihrer Fragen

Dieser Text erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und dient auch nur der ersten Orientierung; ersetzt jedoch keine persönliche Beratung bei einem Rechtsanwalt!

Bitte vereinbaren Sie telefonisch oder über das folgende Kontaktformular einen Termin für eine persönliche Ersteinschätzung.

Ihr Name*

Ihre E-Mail-Adresse* (für die Terminbestätigung)

Ihre Telefonnummer* (für eventuelle Rückfragen)

Ihr Terminwunsch*

*Pflichtfelder. Die Daten werden verschlüsselt übertragen.